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Der zwölfte Welpe war ich - wie alles begann... Teil 1

20.11.2014

Von der Schwerindustrie zum Journalismus: Dieser Berufsweg war nicht unbedingt vorgezeichnet. Entsprechend sparsam fielen die Reaktionen vieler meiner Bekannten, Freunde und Angehörigen aus. Die kleine Serie wirft ein schummriges Licht auf die Arbeit eines nebenberuflichen Lokalreporters in den späten Neunzigern.

"Mitarbeiter für die Redaktion gesucht" - diese Anzeige eines kleinen lokalen Wochenblattes mit einer regelmäßigen Auflage von weniger als 10.000 Exemplaren war es, die einige Leben veränderte. Ich war damals, im Sommer 1998, unterbezahlter Sachbearbeiter im Vertrieb eines großen Industrieunternehmens.

Dass ich unterbezahlt war, wusste auch mein Chef. "Herr Bongardt", sagte er, "Sie gehen nicht. Sie haben eine Familie zu ernähren, Sie können kein Risiko eingehen. Warum sollten wir Ihnen mehr geben?"

Dass ich mich 16 Jahre später immer noch an dieses Gespräch erinnere, dürfte deutlich machen, wie ich dabei empfunden habe. Wären diese Sätze nicht gefallen, wer weiß, ob ich die Stellenanzeige überhaupt wahrgenommen hätte. 

Am PC gestaltete ich die Titelseite einer Tageszeitung, fügte Lebenslauf, Qualifikationen und das Bewerbungsschreiben als Artikel ein, setzte noch ein Foto von mir ins Zentrum, und schickte alles in einer Mappe an die Redaktion - zwei Tage später kam der Anruf, weitere zwei Stunden später saß ich mit dem Chefredakteur, der zuständigen Lokalredakteurin und der Redaktionssekretärin beim Kaffee. 

Mir dem Kaffee kam allerdings auch die erste Ernüchterung: Die Redaktion suchte jemanden, der vier bis fünf Artikel und genau so viele Fotos pro Woche liefern könnte, bezahlt würden 30 DM pro Foto und 32 Pfennig pro Druckzeile. Nie und nimmer genug, um davon zu leben. Dafür aber eine gute Möglichkeit, nach Feierabend ein paar Mark extra in die leere Kasse zu holen. Mein Chef durfte also vorerst Recht behalten. Vorerst.

Ach ja, was den zwölften Welpen betrifft: Die Ermunterung "Schreiben Sie mal irgendeinen kleinen Bericht, und machen Sie ein paar Fotos dazu", bekam ich - nebst einem Schwarzweißfilm - mit auf den Weg, als ich die Redaktion verließ. Es war Sommer, Ferienzeit, und in unserem kleinen Städtchen noch weniger los als zur übrigen Zeit des Jahres. Da musste dann eben ein Bericht über die glückliche Geburt von gleich elf (immerhin recht fotogenen) Welpen herhalten - von denen wir später übrigens einen adoptierten. Unjournalistisch? Mag sein. Aber wenn es entlaufene Kühe, Problembären und angeblich entenfressende Welse im Sommer bis in die Fernsehnachrichten schaffen, dann darf ein Lokalblatt wohl auch einmal über eine elffache Hundsgeburt berichten.

 

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