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Die Definition von Wahnsinn...

02.01.2015

Die Definition von Wahnisnn ist, immer wieder das gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.

Dieses Zitat wird Albert Einstein zugeschrieben, und weil der ein kluger Kopf war, wird es selten hinterfragt. Doch diesen Gedanken unreflektiert zu übernehmen, trägt den Keim des Scheiterns in sich - im Journalismus ebenso wie in der übrigen Berufswelt, und auch im Leben allgemein.

  • Erstens: Die Aussage impliziert, immer wieder das gleiche zu tun, führe zu immer gleichen Resultaten. Das ist aber nur dann gültig, wenn nichts außer dem, was ich tue, Einfluss auf die Resultate hat. In der Regel beeinflussen die Umweltbedingungen meine Resultate aber mindestens ebenso sehr wie mein eigenes Handeln. In einer sich schnell verändernden Umwelt ist es die Norm, immer das gleiche zu tun, und immer andere Ergebnisse zu erzielen. Das muss kein Nachteil sein: Wenn es mir gelingt, einen Trend zu identifizieren, bevor er Mainstream wird (um in der Branche zu bleiben, vielleicht Community Journalismus, Mobile Reporting oder die digitale Langform 'Webreportage'), kann ich über einen längeren Zeitraum hinweg immer das gleiche tun und zu recht immer mehr Erfolg erwarten. Wenn ich andererseits die Umwelt außer Acht lasse, führt immer gleiches Handeln zum Scheitern - was übrigens auch ein anderes Ergebnis ist. Meine ersten Artikel habe ich zum Beispiel damals auf Disketten in die Redaktion der Wülfrather Rundschau gebracht. Ich weiß nicht, ob dort heute noch irgendwo ein Rechner aufzutreiben wäre, der ein funktionierendes Diskettenlaufwerk bietet (davon abgesehen, dass in meinen Rechnern auch keine solchen Laufwerke mehr stecken).
  • Zweitens: Einsteins Definition lässt die Macht der Übung unberücksichtigt. Jeder Grundschullehrer verlangt von Schulanfängern, immer wieder das gleiche zu tun, und erwartet, dass sie immer bessere Resultate erzielen. Wie viele große und kleine Schleifchen, Kringel, Bögen muss ein junger Mensch aufs Papier bringen, bis er gelernt hat zu schreiben? Wie oft muss er addieren, subtrahieren, multiplizieren und dividieren, bis er die Grundrechenarten sicher beherrscht? Wie oft muss er sein Musikinstrument (und seine Umgebung) quälen, bis er ein Repertoire an wohlklingenden Melodien spielen kann? Der Grundsatz dahinter gilt auch für Erwachsene: Wiederholung ist die Mutter des Lernens. Immer das gleiche zu tun, um darin immer besser zu werden, ist kein Wahnsinn, sondern die einzige Möglichkeit, etwas irgendwann wirklich gut zu können.
  • Drittens: Einsteins Definition verleitet dazu, Tätigkeiten mit geringer Erfolgswahrscheinlichkeit vorschnell aufzugeben. Schon so mancher wollte sich mit seinem Blog von externen Auftraggebern unabhängig machen, bloggte einige Monate fleißig und gab dann auf, weil die Werbeeinnahmen bis dahin nicht einmal für eine warme Mahlzeit pro Monat reichten und der erhoffte Besucheransturm ausblieb. Ein Angestellter, der mit seiner Arbeit unzufrieden ist, verschickt zwei oder drei Bewerbungen, ein Arbeitsloser vielleicht zwanzig oder dreißig, und weil der Erfolg ausbleibt, resigniert er. Dabei gibt es erfolgreiche Blogger, es gibt ehemalige Arbeitslose und es gibt Menschen, die einen Job mit hohem Leidensdruck gegen eine befriedigende Tätigkeit getauscht haben. Die haben einfach nur Glück gehabt? Kann sein. Aber sie haben dem Glück sehr wahrscheinlich auch viele Chancen gegeben. Was sie nicht getan haben, war, ihre Bemühungen wegen der anfänglich negativen Ergebnisse vorschnell wieder einzustellen.

Mein Fazit: Wir leben in einer sich schnell verändernden Umwelt. Um die Resultate zu erzielen, die wir uns wünschen, müssen wir diese Umwelt bei unserem Handeln berücksichtigen. Aber ohne Tugenden wie Beharrlichkeit und Ausdauer ist Erfolg sehr unwahrscheinlich. Auf jeden Zug auf- und kurz danach wieder abzuspringen, dürfte nur die wenigsten weit bringen.

 

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