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Mann beißt Currywurst - wie alles begann... Teil 2

23.11.2014

Dieser Moment, in dem du die Zeitung aufschlägst und darin zum ersten Mal einen Artikel oder ein Foto entdeckst, unter dem dein Name steht, der wird noch lange in deinem Inneren nachklingen. Es war dieser Moment, der meine Sicht auf meine Umwelt, meine Art, Medien zu nutzen und sogar mein Selbstbild nachhaltig veränderte. Ich war jetzt Journalist.

Journalist wird man nicht, Journalist ist man von dem Moment, in dem man sich dafür entscheidet, einer zu sein. Als ich meine ersten eigenen Berichte in dem kleinen anzeigenfinanzierten Wochenblatt fand, wurde ich mir dieser Entscheidung bewusst. Ich war angekommen. Allerdings nicht am Ziel, sondern an der Startlinie.

Denn: Ich mochte nun ein Journalist sein, ein guter Journalist war ich ganz sicher noch nicht. Die Gepflogenheiten der Branche waren mir fremd, ich verstand wenig von Recherche, wenig von Themenfindung, wenig von journalistischer Ethik (da gibt es allerdings berühmtere Kollegen, die zu letztgenannter auch ein ganz eigenes Verhältnis haben). 

Immerhin wusste ich, dass ich nichts wusste, und entschied mich, das zu ändern. Ich durchforstete das damals noch junge Internet nach Informationen, tauschte mich in einem Compuserve-Forum mit erfahreneren Journalisten aus und bekam dort unter anderem die Empfehlung, mir das Buch Einführung in den praktischen Journalismus zu beschaffen. Mit diesem Buch und der Möglichkeit, fast alle journalistischen Darstellungsformen (mit Ausnahme von Online-Texten, denn die waren damals noch nicht gefragt) bei meinem ersten Auftraggeber unterzubringen, plus Feedback aus der Redaktion, erarbeitete ich mir das Handwerk. Einmal fiel ich mit einer schludrigen Recherche auf den Bauch (ein Interviewpartner hatte mir ins Gesicht gelogen, und ich hatte seine Aussagen ungeprüft übernommen), bekam aber nicht den verdienten Abriss, sondern nur die freundliche Bitte "Gehen Sie da noch mal hin, und stellen Sie die Fakten nächste Woche richtig."

Natürlich gehörten zur Lokalberichterstattung auch Ortstermine bei Schützenfesten, Ausstellungen von Kleintierzüchtern und Heimatvereinen. Für die Menschen meiner damaligen kleinen Heimatstadt sind das Themen, die den Relevanzkriterien "neu, wichtig, interessant" entsprechen - auch wenn mir diese Termine so manches gemütliche Wochenende verdarben.

Zum Thema Currywurst: Obwohl wir gelegentlich über Korruptionsskandale, Hausbesetzungen und kommunalpolitische Eklats berichteten, erreichten wir die größte Aufmerksamkeit in der Bevölkerung mit der Artikelserie "Der Schalensherrif", einer höchst subjektiven Testreihe, der wir die örtlichen Pommesbuden unterzogen, und die jeweils mit einer Bewertung zwischen einer und fünf Pommesgabeln endeten. Besonders Budenbesitzer, die wir nur einer Pommesgabel für würdig erachteten, erinnern sich bis heute an die Serie.

 

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